Ratgeber

Reselling-Produkte: was sich auf eBay.de wirklich lohnt

Fast jede Liste mit Reselling-Produkten nennt dieselben Kategorien und begründet sie mit dem Verkaufspreis. Das ist die am wenigsten nützliche Zahl, die man dafür wählen kann: Sie sagt nichts über deinen Einkaufspreis und nichts darüber, wie lange der Artikel bei dir im Regal steht.

Diese Seite geht deshalb von einer anderen Kennzahl aus und verweist für die Einzelheiten auf die Marktreports, in denen jede Kategorie im Detail gemessen ist.

Die Kennzahl, auf die es ankommt

Verkäufe je aktivem Angebot. Sie beantwortet die Frage, wie viel Ware in einer Kategorie herumsteht, gemessen an dem, was tatsächlich weggeht. Ein Wert von 0,5 bedeutet grob: Von zehn eingestellten Artikeln verkaufen sich in einem Monat fünf.

Für dich ist das die Kapitalbindung. Bei einem Wert von 0,3 liegt dein Einkauf im Schnitt deutlich länger, bevor er wieder Geld wird, und das ist ein realer Kostenfaktor, auch wenn er auf keiner Rechnung steht.

Die vier Kategorien, die wir gemessen haben

Alle Zahlen aus einem Fenster von 30 Tagen auf eBay.de, gemessene Verkäufe, keine Schätzungen.

KategorieØ VerkaufspreisVerkäufe je AngebotDie eigentliche Arbeit
Parfum47,82 €0,57Echtheit belegbar machen
LEGO20,99 €0,52Sortieren nach Teil und Farbe
Sammelkarten22,37 €0,46Wertvolle von gewöhnlichen trennen
Sneaker40,70 €0,30Größen und Lagerplatz managen

Parfum: die besten Zahlen, mit einer Bedingung

Parfum hat den besten Umschlag bei gutem Preisniveau, und der Grund steht in den Angebotszahlen: Es steht wenig Ware herum. Bei Chanel kommen auf 532 aktive Angebote 649 Verkäufe im Monat.

Die Bedingung steht in keiner Tabelle. Ein Käufer kann einem Foto nicht ansehen, ob ein Flakon echt, voll und original ist. Diese Kategorie verkauft über Glaubwürdigkeit: Füllstand, Chargennummer, Herkunft, Bewertungshistorie. Wer das nicht liefern kann oder will, bekommt die guten Zahlen oben nicht.

LEGO: der Ersatzteilmarkt, den niemand erwartet

LEGO läuft anders, als die Investment-Erzählung nahelegt. Die Angebote mit den meisten Verkäufen sind keine ausverkauften Sets, sondern Grundsteine, schwarze Beine, gelbe Torsos und Technic-Schläuche.

Das verschiebt die Arbeit: Der wertschöpfende Schritt ist das Sortieren, nicht das Einkaufen. Ein Konvolut gemischter Steine wird erst durch Sortieren nach Teil und Farbe zu verkäuflicher Ware. Dazu kommt das Gewicht, das bei günstigen Artikeln die Marge auffrisst.

Und die Themenwelten liegen weit auseinander: Harry Potter erzielt im Schnitt 75,99 Euro bei 999 Verkäufen, Minifiguren 14,20 Euro bei 9.077. Umschlag und Marge wohnen hier in verschiedenen Regalen.

Sammelkarten: der Markt mit dem größten Wissensvorsprung

Bei Sammelkarten ist die Streuung extrem. Die meistgehandelten Pokémon-Angebote gehen für einen Euro weg, bewertete Karten erzielen im Schnitt über 200 Euro.

Wer den Unterschied erkennt, hat einen echten Vorteil, weil die meisten Verkäufer ihn nicht erkennen. Welche Merkmale den Preis treiben, steht in Pokémon Karten Wert; der Vergleich über die drei großen Kartenspiele in Sammelkarten Wert ermitteln.

Sneaker: gute Preise, langsamer Markt

Sneaker haben den niedrigsten Umschlag der vier: 0,30 Verkäufe je aktivem Angebot. Drei von zehn Paaren gehen im Monat weg.

Dafür sind die Preise ordentlich, und zwischen den großen Marken liegt erstaunlich wenig: Nike 71,96 Euro, Jordan 71,54, Adidas 68,10. Der Unterschied liegt im Wettbewerb, nicht im Preis: Nike hat 4.439 aktive Angebote, Jordan 605. Bei gleichem Einkaufspreis ist die kleinere Marke deshalb der bessere Kauf.

Was in dieser Liste fehlt

Zwei große deutsche Kanäle kommen hier nicht vor, weil wir keine Daten zu ihnen haben: Kleinanzeigen und Vinted. Gerade im Mode-Wiederverkauf läuft dort viel. Alles auf dieser Seite beschreibt eBay.de.

Ebenfalls bewusst nicht dabei sind Kategorien, in denen wir zwar Nachfrage, aber zu wenig Handel messen konnten, etwa Münzen, Briefmarken und Uhren. Dort gibt es Interesse, aber auf eBay.de zu wenig Bewegung, um daraus eine Empfehlung zu machen.

Wie du dich entscheidest

Nimm nicht die Kategorie mit dem höchsten Preis, sondern die, deren Arbeit du regelmäßig leisten kannst. Sortieren, Fotografieren, Beschreiben und Verpacken passieren jede Woche; der Einkauf ist die Ausnahme.

Prüfe dann für zehn konkrete Artikel, was sie tatsächlich gebracht haben, und rechne Einkauf, Porto und Gebühren gegen. Den Blick in die eBay-Historie bekommst du dafür ohne Zusatz-Tool: Im Verkäufer-Cockpit Pro, das eBay als kostenlos beschreibt, heißt die Funktion Produktrecherche, und wo ihre zwei dokumentierten Grenzen liegen, steht in Terapeak auf eBay.de. Mit ZIK Analytics machst du das für jeden Artikel selbst, statt dich auf Listen zu verlassen.

Die rechtliche Seite, also ab wann du gewerblich handelst, steht in Wiederverkauf; der Einstieg in Reselling und die Gebühren in eBay-Gebühren.

Häufige Fragen

Welche Produkte eignen sich am besten zum Reselling?

Solche, bei denen viel Nachfrage auf wenig stehendes Angebot trifft. Auf eBay.de erreicht Parfum derzeit 0,57 Verkäufe je aktivem Angebot, LEGO 0,52, Sammelkarten 0,46 und Sneaker 0,30. Welche davon für dich passt, hängt zusätzlich an Lagerplatz, Versandgewicht und daran, wie viel Aufbereitung du leisten willst.

Woran erkenne ich eine gute Reselling-Kategorie?

An drei Dingen: genug Verkäufe je Angebot, damit dein Kapital nicht liegt; ein Preisniveau, das Versand und Gebühren trägt; und eine Arbeit, die du tatsächlich leisten kannst. Der reine Durchschnittspreis ist das schwächste der drei Kriterien, weil er nichts über deinen Einkauf und nichts über die Liegezeit sagt.

Sind teure Kategorien besser?

Nicht automatisch. Sneaker liegen preislich über LEGO, drehen sich aber deutlich langsamer, sodass mehr Kapital länger gebunden ist. Umgekehrt ist LEGO schwer, was bei günstigen Artikeln das Porto zum Problem macht. Preis, Umschlag und Versandkosten musst du zusammen betrachten.

Wie finde ich heraus, was ein Artikel wirklich bringt?

Über tatsächliche Verkaufspreise, nicht über Angebotspreise. Was seit Monaten unverkauft im Netz steht, ist ein Wunsch und kein Marktpreis. Genau diese Unterscheidung ist der Unterschied zwischen einer Kalkulation und einer Hoffnung.