Arbitrage-Handel: Preisunterschiede als Geschäftsmodell
Arbitrage ist ein Begriff aus dem Finanzhandel, und im E-Commerce beschreibt er etwas sehr Bodenständiges: Du kaufst etwas dort, wo es günstig ist, und verkaufst es dort, wo es teurer ist. Die Differenz ist dein Ertrag.
Das klingt nach einem Trick. Es ist keiner, und es ist auch kein Geheimnis. Es ist Arbeit, und der Teil, den die meisten unterschätzen, ist die Rechnung.
Woher der Preisunterschied kommt
Ein Preisunterschied zwischen zwei Märkten existiert nie ohne Grund. Er hat in aller Regel eine von drei Ursachen.
Information. Der Verkäufer weiß nicht, was seine Ware wert ist. Das ist die klassische Flohmarktsituation, und sie ist der Grund, warum Sammlerkategorien für Arbitrage attraktiv sind: Wer den Unterschied zwischen einer gewöhnlichen und einer wertvollen Karte erkennt, kauft von jemandem, der ihn nicht erkennt.
Zugang. Ein Produkt ist irgendwo verfügbar und anderswo nicht, etwa regional begrenzt oder ausverkauft.
Zeit. Abverkauf, Saisonende, Lagerräumung. Der Verkäufer will heute Geld, du kannst warten.
Alle drei sind endlich. Ein Preisunterschied, den du gefunden hast, besteht so lange, wie er unentdeckt bleibt. Das ist der Grund, warum Arbitrage als dauerhaftes Geschäft eher eine Suchkompetenz ist als eine Produktliste.
Die Rechnung, an der es scheitert
Der häufigste Fehler ist nicht, den falschen Artikel zu kaufen. Er ist, mit dem falschen Verkaufspreis zu rechnen.
Wer nachsieht, was ein Artikel kostet, sieht Angebotspreise: was Verkäufer gerade fordern, einschließlich all der Angebote, die seit Monaten stehen und nie jemand kauft. Was zählt, ist der erzielte Verkaufspreis derselben Ware in vergleichbarem Zustand.
Zwischen beiden liegt regelmäßig ein erheblicher Unterschied, und er geht immer in dieselbe Richtung: Angebotspreise sind höher. Genau diese Zahl misst ZIK Analytics, statt sie zu schätzen.
Der zweite Fehler ist eine unvollständige Kostenseite. In die Rechnung gehören:
- der Einkaufspreis, bei einem Konvolut anteilig je Artikel
- Versand und Verpackung, bei schwerer Ware der größte Posten
- Plattformgebühren, sofern du gewerblich verkaufst
- Werbekosten, falls du Anzeigen schaltest
- die Rücksendequote, die du erst nach ein paar Monaten kennst
Was danach übrig bleibt, ist dein Gewinn je Stück. Durchrechnen kannst du das mit dem Gewinnrechner in unseren Marktreports, etwa in LEGO Reselling, wo der Versand wegen des Gewichts besonders ins Gewicht fällt.
Warum das immer gewerblich ist
Bei Arbitrage stellt sich die Frage nach privat oder gewerblich nicht. Du kaufst planmäßig ein, um mit Gewinnabsicht weiterzuverkaufen, und damit sind alle Merkmale des gewerblichen Handelns erfüllt.
Praktisch heißt das: Gewerbeanmeldung, Verkaufsgebühren auf eBay.de, Impressum, Widerrufsbelehrung und Gewährleistung. Die Einzelheiten stehen in Wiederverkauf und in Gewerbe anmelden für eBay, die Gebühren in eBay-Gebühren.
Der Unterschied ist wirtschaftlich relevant, weil privates Verkaufen innerhalb Deutschlands auf eBay.de gebührenfrei ist und gewerbliches nicht. Wer diese Differenz in seine Arbitrage-Rechnung einbaut, als wäre er privat, rechnet sich das Geschäft schön.
Wo Arbitrage in Deutschland funktioniert
Am besten dort, wo Ware schwer zu bewerten ist, denn dort ist der Informationsvorsprung am größten.
Sammelkarten sind das deutlichste Beispiel. Auf eBay.de gehen die meistgehandelten Pokémon-Angebote für rund einen Euro weg, während bewertete Karten im Schnitt über 200 Euro erzielen. Wer den Unterschied am Kartenrand erkennt, kauft Konvolute, in denen der Vorbesitzer ihn nicht erkannt hat. Welche Merkmale das sind, steht in Pokémon Karten Wert.
LEGO funktioniert anders, aber nach demselben Prinzip: Ein gemischtes Konvolut ist wenig wert, sortiert nach Teil und Farbe deutlich mehr. Die Wertschöpfung ist hier Arbeitszeit statt Wissen.
Markenware im Abverkauf ist der klassische Fall, aber auch der mit dem geringsten Vorsprung, weil dieselben Angebote vielen sichtbar sind.
Welche Kategorien auf eBay.de überhaupt genug Umschlag haben, damit sich die Arbeit lohnt, steht in Reselling-Produkte. Der Gesamteinstieg ins Thema ist Reselling.
Häufige Fragen
Was ist Arbitrage-Handel?
Der Kauf einer Ware auf einem Markt und ihr Verkauf auf einem anderen zu einem höheren Preis. Im E-Commerce heißt das meistens: günstig einkaufen, etwa im Abverkauf, auf dem Flohmarkt oder bei Restposten, und auf einem Marktplatz mit höherer Nachfrage verkaufen. Der Preisunterschied entsteht, weil Käufer und Verkäufer auf beiden Seiten unterschiedlich gut informiert sind oder unterschiedlichen Zugang haben.
Ist Arbitrage-Handel legal?
Ja, das ist normaler Warenhandel. Zu beachten sind die üblichen Grenzen: Fälschungen darfst du nicht verkaufen, einzelne Produktgruppen sind geregelt, und Mengenbegrenzungen im Einzelhandel gelten auch für dich. Weil du planmäßig einkaufst, um weiterzuverkaufen, handelst du gewerblich, und das ist bei Arbitrage nie eine offene Frage.
Wie berechne ich, ob sich ein Arbitrage-Geschäft lohnt?
Verkaufspreis minus Einkaufspreis minus Versand minus Verpackung minus Plattformgebühren minus Werbung. Was übrig bleibt, ist dein Gewinn je Stück; geteilt durch den Verkaufspreis ergibt es die Marge. Wichtig ist, dass du mit dem tatsächlich erzielten Verkaufspreis rechnest und nicht mit dem, was andere gerade fordern.
Was ist Online-Arbitrage?
Dieselbe Mechanik, bei der auch der Einkauf online stattfindet, etwa in Abverkäufen von Onlineshops. Der Unterschied zum Einkauf vor Ort ist vor allem die Geschwindigkeit: Online sind Preisunterschiede für viele sichtbar und schließen sich entsprechend schnell.