Großhändler finden: Verzeichnisse, Messen und die Prüfung
Einen Großhändler findest du in Deutschland an drei Orten: in den B2B-Verzeichnissen (wlw, europages, lieferanten.de), auf Messen und, für Ware aus Asien, auf Alibaba. Alle drei Wege sind für Einkäufer kostenlos. Die Arbeit liegt nicht im Finden, sondern im Prüfen und im Rechnen: Ob ein Großhändler seriös ist, steht im Handelsregister und im Bestätigungsverfahren für seine USt-IdNr, und ob seine Mindestabnahme sich lohnt, steht in den Verkaufszahlen des Marktplatzes, auf dem du die Ware wieder loswerden willst.
Dieser Artikel ist für den kleinen Onlinehändler geschrieben, der von Dropshipping oder vom Kleiderschrank zum eigenen Einkauf wechselt und zum ersten Mal Ware auf Rechnung bestellt. Er erklärt, was ein Großhändler ist, wer bei ihm kaufen darf, wo du ihn findest, welche Fragen du vor der ersten Bestellung stellst und wie du ihn prüfst. Die Zahlen zu den Verzeichnissen stammen von deren eigenen Seiten, Stand 6. Oktober 2026.
Was ist ein Großhändler, und was ist er nicht
Ein Großhändler kauft in großen Mengen beim Hersteller oder Importeur und verkauft in kleineren Mengen an Unternehmen weiter: an Einzelhändler, Onlinehändler, Gastronomen, Handwerker. Sein Kunde ist nie der Endverbraucher. Dafür übernimmt er drei Dinge, die du dir sonst selbst organisieren müsstest: Er hält Lager, er importiert und verzollt, und er stellt ein Sortiment aus vielen Herstellern zusammen. Für diese Leistung schlägt er eine Spanne auf den Herstellerpreis auf.
Drei Begriffe werden damit oft verwechselt:
- Hersteller: produziert selbst, verkauft meist nur in Produktionsmengen und selten an einen Händler, der 50 Stück will.
- Distributor oder Importeur: vertritt einen oder wenige Hersteller exklusiv in einem Land; funktioniert für dich wie ein Großhändler, hat aber ein schmales Sortiment.
- Dropshipping-Lieferant: liefert nicht an dich, sondern direkt an deinen Kunden. Du kaufst erst, wenn verkauft ist, zahlst pro Stück mehr und gibst Verpackung und Lieferzeit aus der Hand. Welche Anbieter dafür in Deutschland infrage kommen und wie du sie prüfst, steht im Guide zu den Dropshipping-Lieferanten.
Der Großhändler ist der Mittelweg: bessere Stückpreise als beim Dropshipping, kleinere Mengen als beim Hersteller, dafür eigenes Lager und eigenes Bestandsrisiko.
Kann man als Privatperson beim Großhändler einkaufen?
In der Regel nicht, und das ist keine Schikane, sondern folgt aus dem Geschäftsmodell. wlw beschreibt sich als Marktplatz "für den professionellen Einkauf in der DACH-Region", lieferanten.de bringt nach eigener Beschreibung "gewerbliche Einkäufer und Lieferanten zusammen", europages nennt sich die Plattform "für professionellen Einkauf in Europa". Viele Großhändler geben Preislisten und Kundenkonten erst gegen einen Gewerbenachweis frei, weil sie an Endkunden gar nicht verkaufen dürfen oder wollen, ohne ihren Händlerkunden Konkurrenz zu machen.
Für dich heißt das: Wer regelmäßig einkauft, um weiterzuverkaufen, handelt gewerblich, und die Gewerbeanmeldung ist der Schlüssel zu jedem Großhändler. Wie sie abläuft, was sie kostet und welche Fristen danach laufen, steht im Guide zur Gewerbeanmeldung. Mit der Anmeldung in der Hand bekommst du in den meisten Verzeichnissen innerhalb von Tagen Preise.
Welche Großhändler gibt es in Deutschland: die Verzeichnisse
Die Frage nach "den" Großhändlern in Deutschland hat keine Liste als Antwort, weil es je nach Branche Hunderte sind. Die Antwort sind die Verzeichnisse, in denen sie stehen. Drei decken den deutschsprachigen Raum und Europa ab, eines die Beschaffung in Asien:
| Verzeichnis | Was es nach eigener Angabe listet | Reichweite | Für Einkäufer |
|---|---|---|---|
| wlw (Wer liefert was) | 600.000 B2B-Anbieter, 111 Branchen, 750.000 Produkte | Deutschland, Österreich, Schweiz | Suche und Angebotsanfragen; 400.000 Einkäufer im Monat |
| europages | 2,2 Millionen B2B-Anbieter, 111 Branchen, 670.000 Produkte | Europa | Anfragen an verifizierte Lieferanten, mehrere Angebote auf eine Anfrage |
| lieferanten.de | 12.299 Lieferanten, 5,4 Millionen Produkte, über 30 Kategorien | Deutschland | Registrierung, dann Zugang zu den Lieferantenprofilen |
| Alibaba.com | 34.000+ geprüfte Hersteller | weltweit, Schwerpunkt China | Trade Assurance mit Zahlungsschutz und Geld-zurück-Garantie |
So nutzt du sie, damit die Suche nicht in 600.000 Treffern endet:
- Suche nach dem Produkt, nicht nach "Großhändler". "Handyhülle Großhandel" liefert in wlw die Anbieter, die genau das listen; "Großhändler" liefert alle.
- Filtere nach Land und Liefergebiet. Ein Großhändler in Polen ist für eBay.de oft günstiger als einer in Bayern, bringt aber den innergemeinschaftlichen Erwerb mit (dazu unten).
- Schick dieselbe Anfrage an fünf Anbieter. Mit Artikel, Menge, gewünschtem Lieferdatum und der Bitte um Staffelpreise und MOQ. Wer in 48 Stunden nicht antwortet, fällt raus; das ist dein erster Lieferzeit-Test.
- Frag bei Alibaba nach dem deutschen Importeur. Viele chinesische Hersteller nennen auf Nachfrage ihren Distributor in der EU; der verkauft kleinere Mengen, verzollt und stellt eine deutsche Rechnung.
Messen: wo du den Großhändler in Person triffst
Verzeichnisse zeigen Kataloge, Messen zeigen die Ware und die Menschen dahinter. Für ein Sortiment, das du anfassen willst, ist das der bessere Weg. Der AUMA, der Verband der deutschen Messewirtschaft, nennt für Deutschland in Spitzenjahren rund 180 nationale und internationale Messen mit über 180.000 ausstellenden Unternehmen und 70 Messeplätzen; seine Messedatenbank listet mehr als 3.500 Messen weltweit, durchsuchbar nach Branche und Ort.
Drei Dinge, die auf Messen anders laufen als online:
- Der Messepreis. Viele Aussteller geben Konditionen, die es online nicht gibt, weil sie Ordervolumen für die Saison einsammeln. Frag ausdrücklich nach Messekonditionen und nach der Frist, bis zu der sie gelten.
- Die kleine Erstbestellung. Am Stand ist "ich nehme erst mal 30 Stück zum Testen" ein normales Gespräch; per E-Mail ist es eine Absage wegen MOQ.
- Der Eintritt. Viele Fachmessen lassen nur Fachbesucher zu und fragen bei der Registrierung nach einem Nachweis. Auch hier ist die Gewerbeanmeldung der Schlüssel.
Die Fragen vor der ersten Bestellung
Wer zum ersten Mal auf Rechnung einkauft, stellt zu wenige Fragen und bekommt die Antworten später als Überraschung auf der Rechnung. Diese acht gehören in jede erste Anfrage:
- MOQ und Staffelpreise. Wie viele Stück pro Artikel mindestens, wie viel pro Bestellung mindestens, und ab welcher Menge sinkt der Preis?
- Preis netto oder brutto, und was ist drin? Ist der Versand zu dir enthalten, die Verpackung, bei Importware der Zoll?
- Lieferzeit ab Bestellung und was passiert, wenn ein Artikel nicht lieferbar ist: Teillieferung, Ersatz oder Storno?
- Zahlungsbedingungen. Vorkasse, Rechnung mit Zahlungsziel, Skonto? Beim ersten Kauf ist Vorkasse normal; nach drei Bestellungen frag nach Zahlungsziel.
- Rücknahme und Gewährleistung. Nimmt der Großhändler defekte Ware zurück, und wer zahlt den Rückversand?
- Produktsicherheit und Kennzeichnung. Liegen CE-Kennzeichnung, Sicherheitsdatenblätter und die Angaben vor, die du als Händler weitergeben musst? Welche Pflichten das in Deutschland sind, steht im Artikel Ist Dropshipping legal, dessen Pflichtenkatalog für jeden Händler gilt.
- Verpackung. Liefert der Großhändler die Ware so, dass du sie versenden kannst, oder verpackst du neu? Wer in Deutschland verpackte Ware in Verkehr bringt, ist im Verpackungsregister LUCID registriert; für die Versandverpackung, in der die Ware beim Kunden ankommt, bist in der Regel du der Verpflichtete.
- Exklusivität und Preisbindung. Verkauft der Großhändler dieselbe Ware auch selbst auf eBay.de oder Amazon? Dann konkurrierst du mit deinem eigenen Lieferanten, und er hat den besseren Einkaufspreis.
Den Großhändler prüfen, bevor Geld fließt
Ein seriöser Großhändler ist in Deutschland in wenigen Minuten nachprüfbar, und die vier Prüfungen sind kostenlos oder fast kostenlos:
Handelsregister. Das Gemeinsame Registerportal der Länder führt die Handels-, Genossenschafts-, Partnerschafts-, Gesellschafts- und Vereinsregister aller Bundesländer samt Registerbekanntmachungen. Dort siehst du, ob die Firma existiert, wer sie vertritt und seit wann. Eine GmbH, die laut Impressum seit 2009 besteht und im Register erst seit drei Monaten steht, ist eine Nachfrage wert.
USt-IdNr. Unternehmen, die Lieferungen innerhalb des EU-Binnenmarkts erbringen oder erhalten, brauchen laut Bundeszentralamt für Steuern eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Das Bestätigungsverfahren des BZSt erlaubt deutschen Unternehmen zu prüfen, ob die USt-IdNr eines Geschäftspartners in einem anderen EU-Staat gültig ist. Für einen Großhändler in Deutschland prüfst du die Nummer gegen das Impressum; für einen in Polen oder den Niederlanden gehört die Prüfung vor die erste Bestellung, weil Lieferungen zwischen Unternehmen im EU-Binnenmarkt laut BZSt über gültige USt-IdNrn beider Seiten laufen. Was daraus für deine Umsatzsteuer folgt, regelt § 1a UStG zum innergemeinschaftlichen Erwerb, oben verlinkt, und klärst du mit deinem Steuerberater.
Die Rechnung. Eine ordentliche Rechnung mit Anschrift, Steuernummer oder USt-IdNr, ausgewiesener Umsatzsteuer und Rechnungsnummer ist das Dokument, mit dem du die Vorsteuer ziehst. Ein "Großhändler", der nur per Überweisung an eine Privatperson und ohne Rechnung liefert, ist keiner.
Die Probebestellung. Bestell die kleinste Menge, die der Großhändler zulässt, und prüf Lieferzeit, Verpackung, Qualität und ob die gelieferte Ware der Beschreibung entspricht. Diese eine Bestellung kostet dich vielleicht 100 €; die erste MOQ-Bestellung bei einem Lieferanten, den du nicht getestet hast, kostet dich im schlechten Fall den ganzen Betrag.
Erst rechnen, dann die Mindestabnahme unterschreiben
Der häufigste Fehler beim ersten Großhandelseinkauf ist nicht der falsche Lieferant, sondern die richtige Ware in der falschen Menge. Ein Stückpreis von 3 € klingt nach Marge, bis klar ist, dass die MOQ 500 Stück beträgt und sich auf eBay.de 40 davon im Monat verkaufen: Dann liegt dein Geld ein Jahr im Regal.
Deshalb gehört vor jede Anfrage ein Blick auf den Absatz. Auf eBay.de siehst du mit dem Filter auf verkaufte Artikel, wofür ein Produkt tatsächlich weggegangen ist. Für ein ganzes Sortiment fasst das eBay Product Research Tool von ZIK Analytics die Zahlen zu einem Suchbegriff zusammen: verkaufte Stück in 30 Tagen, Durchschnittspreis, Zahl der Angebote und die Abverkaufsquote, also der Anteil der Angebote, die sich in 30 Tagen mindestens einmal verkauft haben. Mit eBay Deutschland in den Quick Settings stehen dort die Euro-Zahlen von eBay.de. Von den verkauften Stück im Monat aus rechnest du rückwärts, wie lange eine MOQ im Lager liegt, und vom Durchschnittspreis aus, was nach Gebühren übrig bleibt; die aktuellen Provisionen stehen im Guide zu den eBay-Gebühren.
Die Regel, die sich bewährt hat: Die erste Bestellung deckt höchstens zwei bis drei Monate des gemessenen Absatzes. Was darüber liegt, verhandelst du als Staffelpreis für die zweite Bestellung, wenn die erste verkauft ist.
Fazit: finden ist leicht, prüfen ist die Arbeit
Großhändler findest du in wlw, europages und lieferanten.de, auf Messen aus der AUMA-Datenbank und für Asien auf Alibaba, alles ohne Kosten für dich als Einkäufer. Der Schlüssel zu allen ist die Gewerbeanmeldung. Prüf jeden Anbieter im Handelsregister und über das Bestätigungsverfahren des BZSt, bestell zuerst die kleinste Menge, und unterschreib eine MOQ erst, wenn du weißt, wie viele Stück sich im Monat verkaufen.
Genau diese Zahl bekommst du vor der ersten Anfrage: Mit der 1$ Testphase von ZIK Analytics siehst du für jeden Suchbegriff, was auf eBay.de in den letzten 30 Tagen zu welchem Preis verkauft wurde, und damit, wie groß deine erste Bestellung sein darf.
Häufige Fragen
Was ist ein Großhändler?
Ein Großhändler kauft Ware in großen Mengen beim Hersteller oder Importeur und verkauft sie in kleineren Mengen an Wiederverkäufer weiter, also an Einzelhändler, Onlinehändler und andere Unternehmen. Er verkauft nicht an Endkunden. Dafür übernimmt er Lagerhaltung, Import und Sortiment und schlägt eine Spanne auf den Herstellerpreis auf. Wer direkt beim Hersteller kauft, spart diese Spanne, muss aber meist deutlich größere Mengen abnehmen.
Wann ist man ein Großhändler?
Sobald du überwiegend an Wiederverkäufer und Unternehmen verkaufst statt an Endkunden. Die Grenze liegt nicht in der Menge, sondern im Kunden: Wer 10.000 Handyhüllen an Privatkäufer auf eBay verkauft, ist Einzelhändler; wer 500 davon an drei Kiosk-Betreiber liefert, handelt als Großhändler. Für die meisten Onlinehändler ist die Frage theoretisch; sie sind die Kunden des Großhändlers, nicht seine Konkurrenz.
Kann man als Privatperson beim Großhändler einkaufen?
In der Regel nicht. Die Verzeichnisse beschreiben sich selbst als Plattformen für den professionellen Einkauf oder für gewerbliche Einkäufer, und viele Großhändler geben Preise und Konten nur gegen einen Gewerbenachweis frei. Wer regelmäßig einkauft, um weiterzuverkaufen, handelt ohnehin gewerblich und braucht die Anmeldung; wie sie abläuft, steht in unserem Guide zur Gewerbeanmeldung.
Welche Großhändler gibt es in Deutschland?
Zu viele, um sie aufzuzählen, und genau dafür gibt es die Verzeichnisse: wlw listet 600.000 B2B-Anbieter in 111 Branchen für Deutschland, Österreich und die Schweiz, lieferanten.de führt 12.299 Lieferanten mit 5,4 Millionen Produkten in über 30 Kategorien, europages 2,2 Millionen Anbieter in Europa. Dort suchst du nach Produkt oder Branche, filterst nach Land und schickst Anfragen an mehrere Anbieter gleichzeitig.
Was ist der Unterschied zwischen Großhändler und Dropshipping-Lieferant?
Der Großhändler liefert die Ware an dich, du lagerst und versendest selbst und trägst das Risiko des Bestands. Der Dropshipping-Lieferant versendet direkt an deinen Kunden, du kaufst erst, wenn verkauft ist, zahlst dafür aber pro Stück mehr und hast weniger Kontrolle über Verpackung und Lieferzeit. Viele Großhändler bieten beides an; frag danach, bevor du dich entscheidest. Die Prüfung von Dropshipping-Lieferanten hat ihren eigenen Guide.
Was bedeutet MOQ beim Großhändler?
MOQ steht für Minimum Order Quantity, die Mindestabnahmemenge pro Artikel oder pro Bestellung. Sie ist der Punkt, an dem Großhandel teuer wird: Ein Preis von 3 € pro Stück nützt nichts, wenn du 500 Stück abnehmen musst und auf eBay.de davon 40 im Monat verkaufst. Frag deshalb immer nach Staffelpreisen und danach, ob die erste Bestellung unter der MOQ als Muster möglich ist.